Net News Express

 
       
1534670076    
 Feuilleton: Kultur, Geschichte, Bücher, TV, Fernsehen, Film, Musik, Games (6)
  
19.08.2018 08:58:06 [Der Freitag]
Zu kurzer Sommer
Lange bevor kühler Beton instagramtauglich wurde, fotografierte Ursula Schulz-Dornburg die betörende Trostlosigkeit verfallender Bushaltestellen. In der Fotobuchhandlung meines Vertrauens arbeitete noch bis vor wenigen Monaten ein Fotobuchexperte, der, einmal angestupst, zehn Bücher aus dem Regal zog und drei Kurzvorträge aneinanderreihte. Jede Woche ging ich zu ihm, ließ mir Neues zeigen und verließ ihn nicht selten mit drei bis fünf Neuerwerbungen unter dem Arm. Schon sehr lange liegt auf einem der Tische mitten im Raum der Band Soviet Bus Stops von Christopher Herwig.

  
19.08.2018 08:56:30 [Süddeutsche Zeitung]
Mediaplayer: Der Junge mit der Harmonika
How I Won the War, GB 1967 - Koch Media, 12,99 Euro (DVD), 16,99 Euro (Blu-ray). John Lennon steht in "How I Won the War" auf völlig verlorenem Posten. Wenn man sich diese schwärzer als schwarze Kriegssatire "How I Won the War" /"Wie ich den Krieg gewann" anschauen möchte, dann sollte man sich vorab nicht von PR-Prosa blenden lassen. Sie hebt darauf ab, dass dieser Film von Regisseur und Produzent Richard Lester den Beatles-Kopf John Lennon in seiner einzigen nicht-musikalischen Film-Hauptrolle zeigt. Das stimmt natürlich.

  
18.08.2018 16:04:58 [Radio FM4]
Forever and Ever - Ein kleines Gebet für Aretha
Aretha Franklin hat ihren Kampf gegen Krebs verloren und ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Eine Würdigung der großen Sängerin und feministischen Pionierin des Soul und Pop. Es heißt, Hal David habe den Text des Sechzigerjahre-Songs „I Say a Little Prayer“ aus der Perspektive einer Frau geschrieben, deren Mann in Vietnam im Krieg ist. Von dem Moment an, da sie morgens aufwacht, betet sie für ihn. Wenn sie sich ihr Haar kämmt und überlegt, welches Kleid sie anzieht, wenn sie in den Bus steigt, wenn sie Kaffeepause macht. Gestern musste ich wieder an dieses Lied denken, weil jemand ihm mit einem Posting unter einem Bericht über die schwere Erkrankung Aretha Franklins eine ganz neue Konnotation verliehen hatte.

  
18.08.2018 16:02:26 [Junge Welt]
Dein Vietnam, mein Irak, unser Zuhause
Milieu-Marker und Wackelkamera: »In the Middle of the River« über den White Trash im Südwesten der USA. Filmemacher Damian John Harper ist gelernter Völkerkundler. Er lebte eine Zeitlang im Süden Mexikos und studierte die Kultur der Zapoteken. Seinem Film »In the Middle of the River« merkt man das an. Das Ethnologen-Auge richtet sich auf die weiße Unterschicht, auf Säufer, Kriegsversehrte, Knastbrüder. Antiheld Gabriel, dicht tätowiert, schleppt sich im Army-Shirt auf einem Bein vom Sofa zum Kühlschrank, raucht Pot, schmeißt Pillen ein – und ist noch der sympathischste von allen.

  
18.08.2018 12:27:20 [Frankfurter Allgemeine Zeitung]
„Christopher Robin“ im Kino
Von nichts und wieder nichts kommt doch etwas. „Christopher Robin“ oder Erwachsensein als Falle: Disney hat die Rückkehr von Pu dem Bären verfilmt – mit einer fragwürdigen Moral. Es geht um nichts. „Von nichts kommt nichts“, sagt der missratene Sohn des Londoner Kofferherstellers Winslow zum gehetzten Leiter seiner Effizienzabteilung. Er will ihn nötigen, sich noch mehr abzumühen an den roten Zahlen der Firma. Mit dem Satz „Ich werde nicht mehr nichts machen“ hatte Christopher Robin, jener Abteilungsleiter, sich als Junge einst von den lebenden Stofftieren im Hundert-Morgen-Wald seiner Kindheit verabschiedet, als ihn die Eltern aufs Internat schickten.

  
18.08.2018 12:25:29 [Junge Welt]
Bald in Ihrem Handykino!
Lieber senken wir den Blick: Rückblick aufs Autorenfilmfestival Locarno. Am vergangenen Wochenende endete das 71. Filmfestival Locarno. Es war das letzte unter der künstlerischen Leitung Carlo Chatrians und wohl auch das letzte reine Autorenfilmfestival am Lago Maggiore. Chatrian wird zur Berlinale wechseln, seine Abschiedsworte waren deutlich. Zunächst bekam Leo McCarey sein Fett weg, Erfinder von »Laurel and Hardy«, Regisseur von »Die Marx Brothers im Krieg« und Star der diesjährigen Retrospektive. Statt McCarey etwa für sein veristisches Kino oder die geniale Führung der Schauspielkunst Cary Grants zu loben, sprach Chatrian im Rückgriff auf den spanischen Wirtschaftswissenschaftler und Filmkritiker Miguel Marìas über »die Schwierigkeit, McCarey zu schätzen«, die sich vor allem aus der Dummheit des Antikommunismus in Hollywood ergibt.
 Regeln
Hier veröffentlichte Artikel dürfen Grundgesetz, Völkerfrieden und Religionsfreiheit nicht in Frage stellen oder diesen zuwiderlaufen.

Die Verantwortung für Inhalte verlinkter Publizierungen liegt ausschließlich bei den jeweiligen Medienanbietern.

Impressum